Vermögensaufbau – Trading Edge benötigt

In der Umsetzung des liquiden Vermögensaufbaus, zählt unteranderem das Erreichen einer entsprechenden netto Rendite, die über der jeweiligen länderspezifischen durchschnittlichen Teuerung p.a. liegen muss.

Verteilungsmuster

Versicherungen, Casinos und die Börse haben zusammen eine grosse Gemeinsamkeit. Es geht im Kern immer um die Verteilung von Geld.

Bei Versicherungen wird im Allgemeinen vereinfacht ausgedrückt, die Wahrscheinlichkeit von dem Eintreffen eines jeweiligen Schadensfalls, mit der Höhe der Schadenssumme in die entsprechende Relation gesetzt.

Daraus wiederum wird die jeweilige Brutto-Marge, die Prämien usw. ermittelt. Ebenso resultiert aus dem genannten in Konsequenz der Unternehmensgewinn, respektive der Ertrag.

Hausvorteil Casino

Als einfach zu verstehendes Beispiel, wird der Hausvorteil eines Casinos bei einem der beliebtesten Glücksspiele, dem Roulette aufgezeigt.

Ich nenne dies bewusst Glückspiel, da jeder Gast gegenüber einer Spielbank für einen Ertrag bzw. Gewinn, statistisch und wie auch mathematisch sich im Nachteil gegenüber dem Casino befindet.

So liegt beispielsweise bei dem klassischen französischen Roulette mit Prison-Regel bei einfachen Chancen (rot oder schwarz, ungerade oder gerade bzw. 1–18 oder 19 – 36) bei einem Gewinn die Auszahlungsquote jeweils bei 1:1.

Die Gewinnerwartung wiederum liegt bei rund 98,65 % und das Casino hat somit einen Hausvorteil von 1,35 %. Ohne die Prison-Regel wäre bzw. ist der Bankvorteil doppelt so hoch.

Damit verbunden steigt mit der Anzahl an Spieldurchgängen die Annäherung an die entsprechende bereits im Vorfeld bekannte Ertragsmarge des Casinos.

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Situation bei der Börse

An der Börse wiederum kommt für uns als Anleger ein entschiedener Vorteil zum Tragen. Es besteht so gesehen kein Hausvorteil an den Handelsplätzen bzw. Börsen für Marktteilnehmer.

Die allermeisten Rahmenbedingungen sind identisch bzw. die gelten.

Ausnahmen bestehen so beispielsweise bei Mitarbeiter eines Unternehmens hinsichtlich Insiderhandel, oder bei Grossinvestoren, da diese zusätzlichen Kriterien einhalten bzw. erfüllen müssen.

Insofern haben diese, objektiv gesehen gegenüber den anderen Marktteilnehmer mehr Auflagen, was als Nachteil ausgelegt werden kann.

Umso mehr stellt sich die Frage, wie und in welcher Weise, trotzdem ein oder mehrere Vorteile man sich erarbeiten kann, bzw. existieren.

Trading Edge

Ein Handelsvorteil in Form einer Technik, einer Beobachtung oder einem Ansatz, die bzw. der Dir einen Vorteil gegenüber anderen Marktteilnehmern verschafft. Im Fachjargon nennt sich dies Trading Edge.

In der Konsequenz dessen, sich dies in Form von mehr Kapital und oder weniger Verlust sich auf Deinem Account positiv auswirkt.

Denn dies versetzt Dich in die Lage, in der Konsequenz nicht mehr zu den 87,5% der Anleger zu gehören – wie bereits ausführlich erklärt– die mehrheitlich durch Geldanlagen Verluste erlitten und erleiden, sondern Du bist, bzw. gehörst dann zu den 12,5% der Anleger die mehrheitlich positiven Ergebnisse erzielen.

Wenn ich jeweils gefragt werde, ob ich den Heiligen Gral im Trading kenne, so sage ich stets, dieser ist für mich einen oder mehrere Trading-Edge zu kennen und zu verstehen.

Personal, Infrastruktur und Knowhow

So gesehen haben im Umkehrschluss, der Großsseil aller Marktteilnehmer keinen einzigen Trading Edge. Selbst viele professionelle Anbieter fallen ebenso darunterfallen.

In dem meisten Fällen sind für solche Finanzdienstleister die damit verbundenen fortlaufenden Kosten bei Personal, Infrastruktur und Knowhow zu hoch in Relation zu den Assets under management (AUM).

Aufgrund dessen werden in solchen Fällen die Investitionen und Anlagen von Kunden in vielen Fällen wiederum ausgelagert und an ein 3tes Unternehmen übergeben, wobei das Ganze dann als White Labeling Produkt bezeichnet wird.

Dabei hat der Kunde eines Finanzdienstleisters selbst häufig keine Ahnung, dass seine Investitionen und Anlagen nicht von dem ausgewählten Finanzdienstleister selbst, sondern von einem oder mehreren 3ten Unternehmen gemanagt wird bzw. werden.

In solchen Fällen wird in der Regel dies dem Kunden nicht mitgeteilt, aus Angst, dass der jeweilige Kunde direkt zu dem entsprechenden Anbieter wechselt bei genügend Kapital.

In der Konsequenz dessen eine entsprechende Reduzierung der Umsätze bzw. Profitabilität damit verbunden wäre. Weiterführend damit verbunden eine Verschlechterung der eigenen Reputation.

Die Verpackung der entsprechenden Dienstleistung bzw. der Investitionen und Anlagen besteht aber weiterhin auf den von dem Kunden selbst ausgewählten Finanzdienstleister.

Beispiel eines Trading Edge

Um nun genauer zu verstehen was ein Trading Edge ist, wird nachfolgend ein Beispiel nähergebracht, um das Prinzip eines Trading Edge zu verstehen. Ebenso die damit verbundene Struktur.

DAX 30

Der Dax 30 Index wurde am 1. Juli 1988 eingeführt und repräsentiert rund 80 Prozent der Marktkapitalisierung von den börsennotierten Aktiengesellschaften in Deutschland.

In der Modellierung der Punktezahl entspricht dieser einem Performanceindex was sich zusätzlich positiv in der Entwicklung auswirkt.

Konträr dazu wäre die Modellierung der Punkteanzahl als Kursindex zu nennen, die beispielsweise bei dem Dow Jones Industrial Average verwendet wird.

Für den nachfolgend beschriebenen Trading Edge im Dax 30 werden ausschliesslich End of Day (EoD) Daten, bzw. nur der jeweilige Tages Close und das entsprechende dazugehörende Datum benötigt.

Der generelle Vorteil in der Verwendung eines Aktienindex gegenüber einer Unternehmensaktie liegt zum einen in der Diversifikation. Zum anderen ist das Risiko bei einem Index gleich 0, dass dieser in Konkurs gerät, gegenüber einem Unternehmen.

Denn erfüllt ein Unternehmen die entsprechenden Kriterien nicht mehr, so wird dies durch ein anderes entsprechend ersetzt.

Kursdarstellung

Als nächsten sehen wir uns den Chart des DAX 30 seit der Indizierung bis 2019 auf Basis von Tages Close Kursen an.

Wie Du nachfolgend entnehmen kannst, ist die Darstellung eine andere, da auf den Trading Edge in diesem Beispiel nur für die prozentualen Drawdowns von Interesse sind – auf Basis des jeweiligen zuvor vorhandenen Höchststands.

Dax 30 Index, Drawdowns von 1988 Juli - 2019 Dezember

Historische Drawdowns

Der prozentual höchste Drawdown lag bei rund 70%. Was Dir jetzt allerdings auffallen sollte ist, dass es nach jedem Drawdown zwangsläufig ebenso eine entsprechende Erholung gegeben hat, bevor es weiterführend im Anschluss erneut zu einen Drawdown gekommen ist.

Was wir Wissen und aus dem Chart selbst entnehmen können ist, dass es zu mehreren Drawdown gekommen ist. Ebenso ist aufgrund dessen davon auszugehen, dass es auch in der Zukunft zu weiteren Drawdowns kommen wird.

Was wir aber nicht im Vorfeld Wissen, ist der Zeitpunkt und die jeweilige Höhe eines zukünftigen Drawdowns.

Logik

Genau dieser Sachverhalt wird verwendet, um in der Konsequenz mit diesem Trading Edge das angestrebte Ziel, nämlich Kapitalzuwachs bzw. Performance im Ergebnis zu erreichen, und dass wir dieses Resultat bereits im Vorfeld kennen, aufgrund der Kausalität des verwendeten Trading Edge.

Es wird ein X% Drawdown als „Hürde“ festlegt, wobei für die rechnerische Ausgangslage der jeweils zuvor vorhandene Höchststand verwendet wird. In diesem Beispiel wird die „Hürde“ bei einem Drawdown von 25,00% verwendet.

Sehen wir uns die Historie an, ohne jetzt die genauen Zahlen zu kennen, so wurde der definierte Drawdown mehrfach erreicht, und im nachhinein kam es zu einer entsprechenden Erholung.

Umsetzung

Das angedachte und bereitgestellt Kapital wird entsprechen auf beispielsweise 100 gleich grosse Tranchen aufgeteilt. Wird die im Vorfeld festgelegte Drawdown „Hürde“ erreicht, so erfolgt der erste Einstieg mit der 01 Tranche.

Erfolgt eine weitere Erhöhung des Drawdown um 1% – auf Basis des Punktestands der Drawdown „Hürde“ – so erfolgt der Einstieg mit der 02 Tranche.

Dies wird entsprechend weiterhin so fortgesetzt, dass auf demselben Punkteniveau jeweils maximal nur eine Tranche existiert, unabhängig davon wie häufig dieses jeweilige Punkteniveau unter oder überschritten wurde.

Erholung

Setzt zu einem späteren Zeitpunkt, die Erholung aus dem Drawdown ein, so werden alle offenen Tranchen zu demselben Punktestand veräussert. Das entsprechende Gewinnziel wurde bereits vor Eröffnung der ersten Tranche festgelegt, und basiert auf Grundlage der 01 Tranche.

Soll heissen, Punktestand der 01 Tranche + X% Gewinn = Gewinnziel für alle Tranchen. Gleichzeitig werden auf den einzelnen Tranchen keine Risikobegrenzungen verwendet, sondern einzig das einheitliche Gewinnziel.

Diese Art von Positionseröffnungen wir als sogenannte Pyramidisierung bezeichnet. In diesem Fall entspricht diese einer negativen Pyramidisierung.

Das heisst, es werden weitere Positionen auf demselben Asset eingegangen, bei negativer Performance auf das eigene verwendete Kapital – nicht zu verwechseln mit fallenden Kursen, da auch Leerverkäufe, bzw. Short Positionen grundsätzlich eröffnet werden könnten, und diese dann bei fallenden Kursen nicht zu einer negativen Performance des eigenen verwendeten Kapitals führen. –

Die konträre Variante dazu stellt eine positive Pyramidisierung dar.

Kausaleffekt

Durch die Long Zukäufe bei weiter grösser werdendem Drawdown, erhört sich zum einen das gesamte Volumen.

Zum anderen wird der damit vorhandene Durchschnittspreis über alle Positionen tiefer. Durch diese beiden Effekte erhöht sich bei Schliessung aller offenen Positionen zum selben Punktestand der Profit zusätzlich.

Zeitaufwand

Die Orderaufgabe aller Positionen inklusive dem Gewinnziel kann bereits im Vorfeld durchgeführt werden.

Dies bedarf einem zeitlichen sehr geringen Aufwand. Wurde eine Order entsprechend ausgeführt erhältst Du entsprechend in der Regel eine Mitteilung, durch den Anruf Deiner Bank oder den Broker – bei einem guten Service des jeweiligen Anbieters vorausgesetzt.

Alternativ kannst Du Dich nach Börsenschluss jeweils selbst kurz informieren.

So gesehen bist Du in der komfortablen Situation, die damit verbundenen zeitlichen Kosten in das Verhältnis zu dem Ertrag zu setzen.

Zusammenfassung

Hinsichtlich diesem Trading Edge, ist dieser durch den benötigten Zeitaufwand in Relation zu dem Ertrag, wie bereits geschrieben damit hochskalierend. Das vorgestellte Prinzip funktioniert tadellos.

Auch ist in der Konsequenz der befristete mögliche eigene Drawdown nicht von Belang.

Einziger Wermutstropfen, der Trading Edge findet nur alle paar Jahre statt. Möglicherweise kennst Du diesen Trading Edge bereits.

Anmerkung

Nicht alle relevanten und benötigen Komponenten zu diesem Trading Edge sind erwähnt worden. Es ist der Disclaimer zu beachten.

Es soll einzig die zu Anfangs getätigte Aussage erklären, dass ein Trading Edge nicht ausschliesslich einer komplexen Struktur zu Grunde liegen muss.

Weiteführend soll der Beitrag dem Verständnis zu Trading Edge dienen und das grundsätzlich nicht immer ein immenser Zeitaufwand in der Umsetzung damit verbunden ist.

Fazit

Nun sollte Dir, was mit dem Prinzip bei einem Trading Edge gemeint ist verständich sein.

Ebenso, dass Du durch die Verwendung von solchen, in der Konsequenz zu den profitablen Anlegern gehörst. Die fortlaufende Ausarbeitung von neuen Trading Edge gehört zu den wessentlichen Aufgaben, für Dich als Anleger.

Postskriptum

Autor: Andreas Wirz

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